mecker. mecker. mecker.

Gott ist tot – Calléjon

Wie kommt man eigentlich an neue Musik, die einem gefallen könnte? YouTube? Wenn man weiß, was man hören will, geht das ganz gut. Zum Musik neu entdecken? Völlig ungeeignet. Last.fm – genau dafür geschaffen. Völlig ungeeignet. Nun gehe ich diesen September endlich mal auf ein Konzert von We Butter The Bread With Butter. Mir ist es zwar grund­sätz­lich egal, wer da noch mitspielt, eine Band ist Grund genug für mich, da hin zu gehen, aber es ist ziemlich effektiv, so an andere neue Bands zu kommen.

Eine davon ist Calléjon. Machen deutschen Metalcore. Deutsch­spra­chi­gen (!) Metalcore. Wer das Genre kennt, der weiß, dass es da so gut wie nichts auf Deutsch gibt. Dazu machen sie das sogar noch recht gut. Ein guter Einstieg und Überblick zu ihrem Stil ist mit “Sommer, Liebe, Kokain” gegeben. Schöner Ohrwurm, (guter Text).

Es geht um “Gott ist tot“. Das ist gar kein Anti-Gott-Lied wie man auf dem ersten Blick annehmen würde. Leicht ge­gen­tei­lig, und ziemlich schwierig zu in­ter­pre­tie­ren.

Calléjon – Gott ist tot

Klar, das ist Metal. Es ist sogar Metalcore. Es klingt natürlich leicht anders als „Ich geh mit meiner Laterne“. Ja, man kann es ab 1:47 als Krach in­ter­pre­tie­ren. Man kann es aber genauso gut als Kontrast sehen. Sollte man auch. Achja: ein weiteres gilt es noch zu definieren. Das sogenannte Adjektiv „e­pi­sch“. Da gibt es tatsäch­lich Idioten Leute, die meinen, dass epische Musik solche ist, die epische Texte beinhalten. Das ist totaler Müll. Die Lyrics können episch sein, aber nicht die Musik in diesem Sinne. Das Genre „epische Musik“ ist auch eher pseudo. Episch ist zum Beispiel “Jack Sparrow – Hans Zimmer” (zum großen Teil) und natürlich “Requiem for a Dream (Remix) – Clint Mansell“.

Somit haben wir die Grundlagen geschaffen. Vorneweg: „Gott ist tot“ ist episch. Und zwar episch am Anfang bei 1:47 und am Ende bei 5:26. Das sind zwei Stellen, die sind so Gänsehaut-erzeugend (ja, episch=Gänsehaut, wenn man’s leicht haben will), das geht gar nicht. Ein­ge­bet­tet ist das ganze ja dazu noch in Ak­kus­tik­gi­tar­ren-Geplänkel, was einen sehr heftigen Kontrast bildet. Noch heftiger wird es ja, wenn man her­aus­hört, was da eigentlich geschrien wird „­Manch­mal wünschte ich, Gott es gäbe… dich“. Schön ver­zwei­felt geschrien, fast schon ad absurdum getrieben, gibt das ein wirklich tolles Bild.

Jemand, der nichts mit Metal anfangen kann, wird eventuell blutige Ohren bekommen. Aber das ist eines dieser Vorurteile: Metal macht Krach. Ja, Metal ist lauter, aber im Gegensatz zu anderer Musik wird man für sein Durch­hal­te­ver­mö­gen belohnt. Ich habe Lieb­lings­lie­der, die sind totaler Müll und gehen einem un­glaub­lich auf die Nerven, aber sobald es zum epischen Ende kommt, war es das einfach wert, zu leiden. Eventuell ist es sogar zwingend, dass man Krach hören muss, damit das Gute besser her­vor­ge­ho­ben wird.

So ist es hier auch. Die Akkustik-Session (ist wichtig) ist relativ langweilig, das geschriene Intro der Hammer, das Gesungene ne­ben­säch­lich, der Refrain ziemlich geil und das Ende episch. Kein anderes Genre bietet mir so etwas. Keines!

blog comments powered by Disqus