iPhone 3G – aus Sicht eines pessimistischen Linux-Users
Ich besitze seit inzwischen fast drei Monaten ein iPhone 3G – hab ich mal kurz erwähnt. Geerbt von meinem Vater, über zwei Jahre alt und daher wunderbar simlock-frei. Nun mal ein kleiner, vollkommen überflüssiger Erfahrungsbericht.
Man sollte das Gerät als Handy betrachten. Ist immerhin eins. Auch wenn ich anfangs sehr oft iPhone gesagt habe, bemühe ich mich seit Kurzem, es einfach Handy zu nennen. iPhone wäre eine Unterstützung für Apples iWahn, den ich absolut nicht abkann.
Das Handy hat eine ziemlich gute Sprachqualität, verglichen mit einem 23€ Handy von Samsung. Die ist sogar so gut, dass man in der Tiefkühlabteilung von Kaufland (das ist ein übelster Faradayscher Käfig), noch abgehackt sagen kann, man ist im Kaufland, bevor die Verbindung abbricht.
Auch positiv ist das Tethering. Läuft unter Windows leider deutlich besser als unter Linux (da gibt es Tage, wo es nur Fehler gibt), aber damit ist man unglaublich mobil. Mit einem Anbieter wie simyo hat man (zumindest gefühltes) unzensiertes Netz. Skype und Instant Messanging laufen in Berlin problemlos und flüssiger als bei direkt angebundenen DSL-Nutzern! Simyo ist aber nicht unbedingt zu empfehlen, die haben trotz Prepaid bindende Verträge, die sofort weiterlaufen, sobald man wieder Guthaben hat.
Dennoch hat das Tethering mich einen Monat „gerettet“, bis ich denn DSL bekam. Wenn man spart, kommt man sogar mit der 1GiB-Traffic-Option zurecht. Schon wegen dieser Option kann ich das iPhone nicht mehr wegdenken.
Aber ich will hier Apple gar nicht so sehr loben, das haben sie nicht mehr verdient. Was absolut krankhaft ist aus Sicht eines verwöhnten Linuxers:
- die Synchronisation läuft, sofern man es denn eingerichtet bekommen hat, unter Linux besser als unter Windows
- die Synchronisation ist zum Kotzen
- die Akkulaufzeit ist einfach nur mangelhaft. Zwei Tage (48h) bei geringfügiger Nutzung und gut 30h bei mittlerer bis starker Benutzung
- Tastensperre Geräusche, die sich nicht abschalten lassen und einfach nur nerven
- die Performance ist grauenhaft
Ich verliere mal kurz ein paar Worte zur Synchronisation. Also: Wenn ich auf meinem Computer ungefähr 500 GiB an Musik in iTunes hab (klar, Widerspruch in sich, weil iTunes das nicht kann. Also rein hypothetisch), dann will ich doch wohl kaum, dass er anfängt, alles zu Synchronisieren. Wenn ich meine Musik auf mehreren Rechnern (sprich nicht auf Windows) aufgeteilt hab und dann unter einer Windows-Machine mit Null Musik synchronisiere, möchte ich garantiert nicht, dass iTunes die gesamte Musik löscht und mit der lokalen synchronisiert (=löscht).
Aber da nimmt Apple den Nutzer ja an die Hand, und tut das für ihn :-) Noch viel toller ist Apple ja, dass es die Datenbank so schön verschlüsselt, dass alle mit ihrem unglaublich tollen iTunes syncen muss. Das ist so toll, dass es selbst beim iPhone-Tethering 2 GiB an Podcasts herunterladen möchte und sich nur mit Mühe und Not aus dem Autostart entfernen lässt, wenn das iPhone angeschlossen wird. Hach, ein Glück haben wir Apple!
Ein weiterer Punkt ist ja die Performance. Man sagt ja, dass das 3G unter Firmware Version 3 doch immerhin flüssiger lief als jetzt. Gut, weiß ich nicht. Aber so sie das jetzt läuft, kann man teilweise nur noch lachen, um nicht in Tränen auszubrechen. Das fängt ja schon mit dem Schalter für Lautlos an. Wenn man den ca. zweimal umkippt und nebenbei Musik hört, spürt man ein wunderbares Laggen. Viel toller ist noch, dass zwar jede native Menüführung bis auf das feinste überflüssig animiert ist. Animiert, um dem Nutzer zu verbergen, wie unglaublich langsam das Gerät ist. Die mit iOS4 eingeführten Ordner zum Sortieren von Apps ruckeln sogar offensichtlich beim öffnen!
Na gut, das Gerät ist einfach mal etwas älter. Aber ich erwarte doch schon irgendwie, dass die core-Funktionalitäten flüssig laufen. Ob das nun animiert ist oder nicht, ist mir da relativ egal. Ich bin ja kein OSX-User. Also, wer sich etwas Gutes tun will, der sollte das aktuellste Gerät kaufen, da sollte der Prozessor halbwegs tauglich sein, damit man es flüssig bedienen kann. Beim 3G ist das in etwa so wie die Bedienung verglichen zwischen OSX/Windows und ‘nem Linux. Man denkt immer, es hat sich aufgehangen.
Nun gut, kommen wir zum letzten Punkt. Apps. Das ist ja so unglaublich toll, das geht ja gar nicht. Die tollste App ist wohl Opera, da der Safari einfach mal untauglich ist. Nächste sinnvolle Apps sind die so verhassten sozialen Netzwerke sowie Twitter und ein guter PDF-Reader. Denn der Native ist ebenfalls untauglich. Die Bedienung des PDF-Readers ist natürlich sprechend für den Rest des App-Konzepts. So hat die App natürlich kein Zugriff auf das Dateisystem, sodass man sich jedes Dokument mailen oder auf einen FTP-Server schieben muss. Das nenn’ ich doch mal Komfort!
Ich weiß absolut nichts mit dem AppStore anzufangen. Das ist so unglaublich unnütz, das geht mal gar nicht. Das kann ich gar nicht in Worte fassen, so sinnfrei ist das Konzept.
Mal anders, ich brauche für das iPhone noch dringend einen Feed-Reader und PGP für Email. Email ist natürlich
nicht zugelassen, klar. Du darfst nur das nutzen, was Apple dir vorschreibt und schlecht programmiert hat. Nun gut,
aber ein Feed-Reader ist auch ein Ding App der Unmöglichkeit. Jeder verdammte Reader nutzt
Google Reader. Ob man nicht Synchronisieren will, steht da gar nicht zur Debatte. Un-glaub-lich.
Aber alles in allem ist so ein iPhone schon recht nützlich. Man kann damit Telefonieren, Simsen, Emailen und Google Maps nutzen sowie Musik hören. Mehr will ich auch gar nicht.