mecker. mecker. mecker.

P2P-Abmahnungen: Geschäftsidee des Jahrzehnts

Neben dem wun­der­ba­ren Editorial der aktuellen c’t gibt es auch einen (eher lang­wie­ri­gen) Beitrag zum Klassiker P2P-Ab­mah­nun­gen. Das Fazit ist wieder mal ein klasse Beispiel für unseren Staat (c't 19 vom 30. August 2010, Seite 141):

Weil die rechtliche Situation dem zu Unrecht Ab­ge­mahn­ten kaum Mög­lich­kei­ten zur Gegenwehr lässt, spielt die Schuld­fra­ge de facto keinen Rolle mehr. Es ist nichts anderes als ein Skandal, dass die ju­ris­ti­sche Praxis an dieser Stelle ein fun­da­men­ta­les Rechts­staat­prin­zip aushebeln kann.

Das trifft es einmal auf den Punkt. Die Staats­an­walt­schaft Köln hat bestätigt, dass die Software eine Fehlerrate von bis zu 90% (!) hat, durch­schnitt­lich 50%. Aber alles, was das Gericht tut, ist die Klage abweisen. Damit ist der Be­völ­ke­rung natürlich geholfen!1

Wieso verklagt da einer nicht den Gutachter der Software? Es ist doch einfach mal of­fen­sicht­lich, dass die Fehler enthält – es handelt sich immerhin um Software. Die ist praktisch per de­fi­ni­tio­nem fehlerhaft. Dann sollte man dem Gutachter für jede Abmahnung einmal lebenslang sowie einen Entzug der Ar­beits­li­zenz geben.

Die Firmen, die die IP-Adressen sammeln (dürfen die das eigentlich, sind immerhin personen-bezogene Daten), gehören ge­vier­teilt und verhaftet. Das Ge­schäfts­mo­dell beruht auf der einzigen Ausbeutung (Form von Sklaverei) un­schul­di­ger Menschen, wieso ist so etwas überhaupt legitim? Ich hätte von denen gerne mal ihre Fir­men­vor­stel­lung… „Guten Tag, wir sind Di­gi­Pro­tect und mahnen mit einer 100%-Ge­winn­chan­ce Menschen ab.“

Natürlich ist das aber auch eine Prima Ge­le­gen­heit, selbst mit­zu­ma­chen. Denn in der Politik tut sich noch nicht viel und es gibt so viel mehr zu er­schließen: I2P oder gar RapidShare.com und Co. Da bei I2P sowieso alle Menschen Kin­der­por­no­gra­phie und Musik verteilen, kann man gleich alle gefunden IP-Adressen loggen und abmahnen. War ja quasi Beihilfe zur Tat.

RapidShare.com und andere Filehoster lassen sich auch prima mitloggen, indem man sich in das Ad-Netzwerk der jeweiligen Link­ver­schlüs­se­ler einkauft. Da dort sowieso nur illegale Daten lagern, können auch alle IP-Adressen geloggt und abgemahnt werden. Das fällt bei der so schon hohen Fehlerrate gar nicht mehr auf.

Da kommt mir gerade die Idee, dass man doch einfach mal beim Provider nach einer Liste mit den benutzten IP-Adressen von heute anfragen kann und dann per Zu­falls­ge­ne­ra­tor sich einige Tausend nimmt und abmahnt.

Das alles setzt natürlich voraus, dass die Software von einem Gutachter geprüft wurde. Aber das bisschen An­fangs­ka­pi­tal bekommt man schon noch zusammen und kann spä­tes­tens nach dem ersten Monat beglichen werden!

Schöne neue Welt!

PS: Eine Ge­schäfts­idee habe ich noch: Man schnappt sich ein Auto und fährt durch die Statt und loggt sich in jedes un­ge­schützt W-Lan ein (sowas gibt’s) bzw. versucht sich, per default Passwort ein­zu­log­gen. Alles gehört noch zur Stö­rer­haft und könnte noch ein, zwei Jahre er­folg­reich funk­tio­nie­ren!

PPS: Oder man nimmt sich die aktuelle Datenbank vom MaxMind (GeoIP) und erstellt per Per­mu­ta­ti­on alle möglichen IP-Adressen (4,3 Mrd.) und filtert alle heraus, die in der Datenbank Deutsch­land zugeordnet werden können. Zum Schluss löst man noch alle IPs auf (reverse Lookup via host) und nimmt alle, die den großen Providern gehören. Dann immer Stück für Stück ein paar Hun­dert­tau­send an die Provider geben.

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