Studium: Bioinformatik
Ich hab’ noch gar nicht erwähnt, dass in Jena an der FSU Bioinformatik studiere. Das ist an sich
ein unglaublich interessanter Studiengang, da er – theoretisch – weit von der eigentlichen Informatik,
sprich Zahlentheorie, und Biologie mit Zoologie/Botanik abstrahiert und somit ein sehr Praxis-orientierter
Studiengang ist sein sollte. Problem ist nur, dass der Studiengang ziemlich neu ist und
man sich noch nicht so recht im Klaren ist, was man eigentlich will.
Das führt dazu, dass man zu gut 20% (wir haben fünf verschiedene Vorlesungen) in Biochemie gesteckt wird. Biochemie ist eine Vorlesung, die zu 99% von Drittsemestlern besucht wird. Nämlich Biologen, Ernährungswissenschaftlern und Biochemikern. Naja, und uns 14 Bioinformatikern-Erstis. Wer dann mit den idealen Voraussetzungen wie ich, also Biologie und Chemie abgewählt nach der 10. Klasse daherkommt, hat ein kleineres Problem. Wäre natürlich völlig abwegig, uns Bioinformatiker in die Grundlagen zu schicken wie Grundlagen und physikalische Chemie oder Mikrobiologie, das wäre ja zuuu einfach!
Nun gut, gehen wir weiter. Weitere 40% der Vorlesung sind Informatik/Mathematik für Informatiker, oder genauer gesagt, Diskrete Strukturen (Algorithmen über natürliche Zahlen) und Lineare Algebra – für Informatiker. Ist ja offensichtlich, dass man als Bioinformatikern die ganze Zeit mit 0 und 1 hantiert. DNA besteht doch völlig offensichtlich aus Nullen und Einsen!1 Natürlich kann man Lineare Algebra dazu gebrauchen, aber auch ohne kommt man damit gut zurecht ;-)
So, und wo gehen die anderen 40% hin? Zu Einführung in die Bioinformatik: Teil I und Genetik.
Letzteres ist ein schlechtes Wechselbad der Gefühle Wissensvermittlung. 8. Klasse
Biologie-Unterricht meets Detailwissen. Die „Vorlesung“ Einführung in die Bioinformatik: Teil I
grenzt übrigens an Privatunterricht. Ein Professor auf 14 Leute. Schon irgendwie angenehmer als 1 Prof
auf 300 bis 750 Leute. Ein wenig.
An sich ein schönes Studium, wäre da nicht Biochemie. Um mal dieses Absurdum zu betonen: Es gibt für die Bioinformatiker, die keine zwei Semester Vorwissen in den Grundlagen (wer braucht denn Grundlagen, völlig abwegig) hatten, eine Übung. Übung: Biochemie für Bioinformatiker. Aber es wird noch besser: Weil die Klausuren in den letzten Jahren so massiv schlecht ausgefallen sind (das gilt eher allgemein bei Biochemie), ist man dazu übergegangen, dass die Bioinformatiker eine gesonderte Klausur erhalten. Noch Fragen?