Wikileaks und ihr Unrecht
Es ist in aller Twitter Munde. Wikileaks hat ihre Domain eingebüßt,
Amazon hat ihre Server abgeschaltet. Und dabei geht es doch um Meinungsfreiheit. Unsere geliebte
Meinungsfreiheit! Aber inwiefern ist das Leaken von Geheimdokumenten zur US-Außenpolitik Meinungsfreiheit?
Klar, der geneigte netz-affine Nutzer ist sowieso der Grundüberzeugung, alles müsse frei sein. Problematisch
ist da halt nur, dass das Netz einfach mal nicht die Realität ist.
Die 9/11 Dokumente, Collateral Murderer und die War Diaries sind wichtige Leaks gewesen. Wobei ich mir beim ersten gar nicht mal so sicher bin. Das ist für Historiker eventuell ganz nett. Dass die 9/11 Dokumente sowieso gemeinfrei sein müssten, steht hier nicht zur Debatte. Erst einmal nicht. Collateral Murderer hat gezeigt, was Krieg ist. Das haben wir ja inzwischen wieder vergessen. Mich persönlich hat „der Krieg“ in Afghanistan nicht sonderlich erschüttert. Ist ja nicht Deutschland. Ist ja nicht Europa, wo Menschen sterben. Ist ja die gute USA, die dort Krieg gegen die Bösen führt. Collateral Murderer hat einfach mal gezeigt, was verschwiegen wurde. Abschlachten, Wertlosigkeit von Menschenleben. Krieg ist Unrecht.
Aber was hat die Menschheit, damit meine ich das Individuum, mit den Depeschen. Was hat das für einen reellen Nutzen? Die Inkompetenz unserer Politiker spüren wir am eigenen Leib. Dafür braucht es keine Depeschen. Wem die Depeschen nutzen, sind Regierungen anderer Staaten. Demnach ist dieser Leak keineswegs etwas, wofür ein einzelner zu kämpfen hat. Das ist einfach Spionage für den Rest der Welt. So unterstützenswert finde ich das jetzt nicht. Illegal oder nicht ist keine vernünftige Argumentation. Ehe etwas von Staaten als illegal eingestuft werden kann, müssen die erstmal ihre Vergangenheit aufarbeiten
So wie es derzeit aussieht, führt Wikileaks einen Krieg gegen ein einziges Land. Die Abneigung gegen die USA kann ich nachvollziehen, aber die ehemalige Supermacht wird das nicht zu Fall bringen. DNS Auflösung zeigt, die USA sitzt am längeren Hebel. Amazon und Twitter. Facebook und Google. Sie alle sind kommerzielle, geldgierige US-Firmen. Die haben auch keine Hemmungen, Wikileaks abzuschalten. Eventuell haben es einige noch nicht mitbekommen. Aber dass etwas im Netz populär und allgemein anerkannt ist, heißt genau nichts. Unsere Welt wird nicht von sozialen Menschen regiert. Ob gewisse Dinge nun unethisch sind oder nicht, wird nicht nach humanen Richtlinien beurteilt, sondern einzig nach Geld. Punkt und aus. Ja, haben wir uns nicht ausgesucht und wir können wenig gegen machen. Aber am wenigsten auf Twitter und Co. Denn das Medium gehört ironischerweise ebenso US-Firmen.
Ich hoffe ja auf ein paar anständige Informationen beim nächsten Leak zu den Banken. Ich hoffe, das macht mir Wikileaks wieder etwas sympathischer. Aber die Depeschen sind einfach falsch. Das ist Verrat von Wikileaks’ Prinzipien.