mecker. mecker. mecker.

Spackeria

Ich konnte Mario Sixtus früher™ mal viel abgewinnen. Gerade der ELR in Phase I, dessen Links inzwischen tot sind und auch ELR Phase II waren wirklich gute, objektive Beiträge rund um das Netz­ge­sche­hen, gerade für weniger Versierte. Aber was inzwischen in Phase III ab­ge­lie­fert wird, das grenzt ja an Spackeria, die ih­res­glei­chens sucht.

140­se­kun­den, ein Tweet und seine Geschichte – mensch, da ist man ja auf der Höhe der Zeit. Twitter ist der Standard schlecht­hin, DAS Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­di­um, es hat die mensch­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on re­vo­lu­tio­niert. Statt stun­den­lan­gen, klärenden Ge­sprächen am Telefon oder im Real Life™, klären sich Sachen mit Tweets und Retweets in 140 Zeichen. Das findet auch dieser gewisse mspro in diesem Filmchen. Wer sich nicht in 140 Zeichen aus­drü­cken kann, sollte über seinen Gedanken noch einmal nachdenken. Soso, ein Me­di­en­ex­per­te, In­ter­net­ken­ner der ersten Stunde.

Nun wird in Ue­ber­mor­gen.TV auch noch sehr abfällig darüber gesprochen, wie lächer­lich doch dieses Vergessen im Internet ist. Wie Herr Sixtus schon in­tel­lek­tu­ell twitterte, „Im Übrigen wäre ein “Recht auf Vergessen” eher eine Pflicht zur Amnesie.”, Vergessen ist im Wi­der­spruch zum Netz, das Netz bringt nur Gutes und deshalb ist das Vergessen absurd, nein gar lächer­lich!1 Lächer­lich sind höchstens die öf­fent­li­chen Beispiele ir­gend­wel­cher min­der­be­mit­tel­ten For­schungs­grup­pen an Unis, aber weiter reicht der Horizont des Verstehens dieser selbst­er­nann­ten Strip­pen­zie­her des Internets dann doch nicht. Salopp wird gesagt, der Bürger hat keine Rechte. Ist nicht mündig. Wenn er seine Daten ins Netz stellt, sprich an mil­li­ar­den­schwe­re Konzerne gibt, der ist selbst Schuld und hat die Ver­ant­wor­tung zu tragen. Ach wie, wenn ein anderer diese Daten ver­öf­fent­lich? Na das würde dann keinen mehr kümmern, wenn alle das tun! Nein, du hast kein Recht auf informelle Selbst­be­stim­mung!

Es sind dieselben Leute, die „­nach­denk­li­ch” auf die Macht gewisser, mo­no­po­li­sie­ren­der In­ter­net­auf­trit­te hinweisen und hinterher erbost sind, wenn Facebook au­to­ma­tisch Ge­sichts­er­ken­nung aktiviert, Twitter Kun­den­da­ten herausgibt, Apple Daten loggt oder jemand in ihrem Kin­der­spiel­platz herumhackt. Kinder, die glauben, Server und Traffic kostet nichts und die Online-Portale existieren nur zum Wohle der Menschheit.

Und es ist wirklich ein al­ter­na­ti­ves Projekt von diesem gewissen Sascha Lobo, sich Tag und Nacht zu filmen. Aber ich bin ehrlich, mich in­ter­es­siert sein Leben überhaupt nicht. Aber im Gegensatz zu ihm stelle ich mein Leben nicht online; und das hat er bitte auch zu re­spek­tie­ren. Denn so fan­tas­tisch es in seinem Kopf, oder generell in den Köpfen der Spackeria aussehen mag. Die Welt wird nicht besser, wenn alles frei zu­gäng­lich ist. Nicht in dieser Welt! Nicht mit der Spezies Homo Sapiens. Niemals.

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