mecker. mecker. mecker.

Von Zeitreisen und Informationsgeheimnissen

Ich erinnere mich noch relativ gut daran. Damals™ war ich dumm, naiv und min­der­be­mit­telt und glaubte, nur RAID-0 ist das einzig Wahre. Hat sich nach ca. drei Jahren dann als falsch her­aus­ge­stellt und es kam zu einem netten Da­ten­ver­lust von gerade einmal 320 GiB Nutzdaten. Das ist schmerz­lich und lässt einen neu denken. Seitdem fuhr ich ein RAID-1 mit zwei 400 GiB unter Linux und das Windows bekam ein einzige 500er, das muss man eh häufiger Re­instal­lie­ren als es durch einen Da­ten­ver­lust zerstört würde.

Inzwischen nutze ich ein MacBook Pro und bin relativ glücklich mit. Besonders gut gefällt mir ja der Lie­fer­um­fang von OS X. Es sind sowohl Da­tei­ver­schlüs­se­lung aka FileVault als auch ein Backup-Tool namens Time Machine mit an Board. Cool denke ich mir. Per default habe ich nun FileVault im Be­nut­zer­ver­zeich­nis und nachdem ich mein SheevaPlug wieder auf Debian umgeflasht habe, dank netatalk auch ein Ti­me­Ma­chi­ne-Server.

Time Machine läuft ja trans­pa­rent im Hin­ter­grund mit – mit der Ausnahme von FileVault, denn da muss der Nutzer sich erst ausloggen und dann kann nur der voll­stän­di­ge Container gesichert werden. Ich habe allerdings mehr Angst, dass mein MacBook abhanden kommt, als dass jemand in meine Wohnung einbricht und die Festplatte mit jfs mountet, und daher ist mir ein ver­schlüs­sel­tes Backup so ziemlich egal und nutzlos, wenn nicht sogar gefährlich, weil ich natürlich mit einem Nicht-Mac dort nicht rankomme (Problem einer of­fen­sicht­li­chen Mo­no­pol­stel­lung).

Nun denn, so habe ich mir einmal die Zeit genommen und über Nacht ein komplettes Backup gemacht, 170 GiB, am nächsten Tag habe ich dann gegoogelt und auf Mac OS X Hints eine Anleitung entdeckt, die ein Backup eines FileVaults Be­nut­zer­ver­zeich­nis erlaubt, wenn man angemeldet ist. Denn Abmelden tue ich mich noch seltener, als Neustarten. Diese Hints sind so wie Wikipedia; denen vertraut man einfach, man weiß es eh nie besser. Damit dieser Trick nun funk­tio­nier­te, sollte man die Ver­knüp­fung zur bisherigen Time Machine lösen. Es wurde /Users/.$user als Pfad angegeben, diesen habe ich dann auch mittels rm -rf gelöscht und kurze Zeit später viel mir auf, dass Mail auf einmal wie neu aufgesetzt war, ebenso hatte Firefox alle seine Ein­stel­lun­gen verloren. Ich guckte in mein Be­nut­zer­ver­zeich­nis und fand nichts merk­wür­di­ges (ein Hoch auf Caching!). Habe im Vorfeld des sauberen Backups wegen auch noch die Backup-Partition gelöscht und neu formatiert. Dann habe ich einen Neustart gemacht, weil mir mein OS X schon merkwürdig vor kam… und im nächsten Schritt konnte ich mich nicht mehr einloggen. Passphrase war falsch – um genau zu sein, sie existierte nicht mehr. Denn unter /Users/.$User sind nicht nur jegliche As­so­zia­tio­nen, sondern auch der ver­schlüs­sel­te FileVault-Container. Naja, brauch der End­an­wen­der ja nicht wissen, mit wieviel Pfusch das integriert wurde – und weg waren die Daten.

Backup eine Minute vorher frisch formatiert, sah ich meine gesamten Daten in den ver­gan­ge­nen drei Monaten wieder einmal verloren. Verloren, durch eigene Dummheit, Vertrauen ins Internet und un­voll­stän­di­ge, ver­stüm­mel­te, ver­heim­lich­te Features von OS X. Das sind so die Momente, wo ich mir denke, jegliche Software-Suite da draußen ist einfach nur ein riesiger Haufen Scheiße. Und je mehr sich dieses App-Konzept durchsetzt, desto schlimmer wird das. Nun fahre mein eigenes Backup mittels rsync. Irgendwie denkt man ja, diese Tools sind einfach dermaßen oldschool und GUI-Software kann das auch. Falsch gedacht. Immer wieder.

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