last.fm hat mir doch schon nach einem Jahr Auszeit (jetzt von seiten last.fms) doch mal wieder etwas empfohlen, was meinem Musikgeschmack entspricht. Ich kann es noch gar nicht fassen. Seitdem ich dort scrobble (vornehmlich wegen der Statistiken), hatte ich nach einem Jahr ca. 10-12 wirklich gute Empfehlungen erhalten. Inzwischen kommen nur noch unsinnige, teils völlig widersinnige Empfehlungen ins Haus.
Ich habe frage mich deshalb mal wieder einmal mehr, ob last.fm als Empfehlungssite für Musik dienen kann, wenn zu vielleicht 90% die Artists, zu 10% die Alben und gaaaaanz selten die Titel getaggt werden. Das ist schon ein kleines Paradoxon in sich. Denn ein Künstler definiert sich ja vornehmlich mit Titeln, die Alben ausmachen und zum Schluss als Einheitsbrei eine Tag-Cloud (für last.fm verwertbar) definieren.
Sollten mir Empfehlungen gemacht werden, so sollte das so passieren:
Mir gefällt Lied X aufgrund der literarischen Dichtung des Textes und aufgrund der Triangel als Instrument.
Das Lied ist einzigartig gut, kein Artist produziert ausschließlich diese Art von Liedern. In meinem Beispiel macht
der Künstler vornehmlich metalcore (Geschrammel und Geschrei) und nur wenige Hörer interessieren sich
für Lied X und noch viel weniger, eventuell einer, taggt das Lied als "literarisch wertvoll" oder
sinnigerweise als "lyrik" und "triangel". Diese beiden Tags stehen nun einer Masse an "metalcore",
"metal", "german" gegenüber. Hat man nun eine nennenswerte Chance, diesen Titel empfohlen zu bekommen,
wenn man zwar ähnliche Musik (z.B. auch getaggt mit "lyrik") kennen zu lernen, wenn andere Tags für
den Großteil der Nutzer deutlich wichtiger sind? Natürlich nicht!
Da die normalen Empfehlungen nicht ausreichen
bedient man sich der Suche. Eine Suche die nicht einmal mehrere Keywords erlaubt! Das ist für mich
unvorstellbar (aber es ist so). last.fm weiß ganz genau, dass sie so ein komplexes Medium
niemals alleine von Usern kategorisiert bekommen, denn Musik wird von jedem Einzelnen unterschiedlich
wahrgenommen und letztendlich sowieso pauschalisiert auf ein arithmetisches Mittel, um's allen Nutzern
nichts ein wenig Recht zu machen. Und dann überlässt last.fm einem nicht einmal die Möglichkeit
selbst zu suchen, was garantiert erfolgreicher ist, als die Empfehlungen von last.fm.
Wenn ich beispielsweise in der großen sozialen Wolke nach Musik suchen möchte, die sowohl Akustik als deutsche Texte beinhalten, darf ich einmal alle Akustik-Bands abklappern und dann manuell nach Sprache filtern.
Apropos Sprach-Tags... die Tags für die Sprache bei Interpreten steht natürlich nicht für die Gesangssprache - das hätte ja etwas mit Musik zu tun - nein, sie steht für den geografischen Standort der Band.
Was ist das „Résumé“ des ganzen? last.fm ist scheiße für die Anzahl der gesammelten Daten
keineswegs individuell, sondern verschwimmt immer mehr zu einem Einheitsbrei, der vielleicht den durchschnittlichen
Radio-Hörer mit ebenso abwechslungsreicher Musik versorgen kann wie normales Radio auch und sonst mehr nicht.
ps: übrigens gibt es eine simple Multi-Tag Suche für last.fm: http://playground.last.fm/multitag